Fesch fahren im Schnee

“Gemma mit den Mountainbikes in die Lobau?” – “Wieso in die Lobau?” – “Na, es liegt Schnee.” – “Mountainbikes gehören auf den Berg.” – “Aber…” – “Mountainbikes gehören auf den Berg.” – “Na gut.”


Nicht schirch, der Wienerwald

Und ab geht die Fahrt.

Keine 30 Minuten vom Wiener Stadtzentrum entfernt, egal ob mit der U-Bahn (es ist Winter) oder auf dem Rad findet man in den östlichen Ausläufern des Wienerwalds ein wahres Wunderwerk an feinen Trails. Von gmiadlich bis ziemlich tough, sowohl bergauf als auch bergab gibts hier einige Kilometer zu entdecken und ist sehr schnell in der Natur. Feinerweise werden die offiziellen Kilometer an Mountainbikestrecken auch immer weiter ausgebaut, das macht die Freude natürlich umso größer.


“Michi, kannst du bitte länger als eine halbe Sekunde den Trail Stop machen?” Kann er nicht…

Wir machen uns von Hütteldorf aus auf den Weg Richtung Schottenfeld und Sophienalpe, einer sitzt auf einem Kona Tanuki Deluxe (All Mountain FTW!), der andere auf einem Yeti Dirtjumper. Der auf dem Dirtjumper erklärt sich schon am Vortag, wieso er wahrscheinlich nicht so schnell sein wird können, weil die Sitzposition, und das Gewicht, und so weiter. Und natürlich gibt er bergauf gleich einmal die Pace vor, weil er halt wirklich bikefit ist und der andere dick.

Technische Vorteile setzen sich dann nur an manchen Stellen durch, die meiste Zeit habe ich den Dirtjumper schön vor mir herumfahren, während mein Puls aus den Ohren herauskommt. Zum Glück gibts ab und an Pausen, entweder weil wir uns wegen des Wegs beraten (im Schnee schaut der Wald halt anders aus als im Sommer), wegen Änderungen an der Adjustierung (schnell stellen wir beide fest, dass es auch eine Schicht weniger getan hätte) und wegen kleiner Modifikationen an den Fahrgeräten (erst spät stellen wir fest, dass am Dirtjumper viel zu viel Luft in den Reifen ist, nach dem Absenken des Luftdrucks ist mein Wettbewerbsvorteil endgültig dahin…). Blöderweise beschlägt meine Brille, bergauf kein großer Stress (fahr ma halt ohne, sieht die unscharfe Umgebung gleich noch magischer aus), bergab ists interessanterweise auch egal, die Durchschnittsgeschwindigkeit im Schnee ist signifikant geringer als im halbwegs trockenen, das geht sich auch verschwommen gut aus.

Nach verrichteter Auffahrt gehts über die Schottenfeldstrecke Richtung Riedlerhütte auf einer nicht sehr technischen Passage wieder runter, die Schneedecke versteckt die Schläge und die ausgetretenen Stellen im Trail (an dieser Stelle sind hier sonst Pferde unterwegs, die ihre Spuren hinterlassen und diesen Abschnitt im Trockenen auch immer wieder in ein überraschendes Stück transformieren) und man kann sich auch bei niedriger Geschwindigkeit weh tun, wenn man nicht aufpasst. Zwei, drei mal verlassen wir den Sattel Richtung Front, das Vorderrad stecken bleibt.


Michi findet einen Schilling und entscheidet sich für eine spontane Rast.

Zurück Richtung Ausgangspunkt gehts dann den Bach entlang und bissl runter, bissl rauf, normalerweise eine sehr schöne, flowige Passage, die durch Eisflächen unterm Schnee recht tückisch ist. Ich kann irgendwann auch nicht mehr einklippen, weil Schuhe und Pedale mit Schnee belegt sind, das macht die Fahrt nicht leichter. Der Grinser beim Ankommen bei der Forststraße ist trotzdem einzementiert, nominell waren wir nicht weit unterwegs (nicht mal 14 Kilometer, psssst), aber die Ausfahrt hat riesige Freude gemacht.


Alti demonstriert den “Dirtjumper Aero Tuck”, die Escape Velocity ist schon längst erreicht.

Auf dem Weg zur U-Bahn hänge ich dann zunächst wieder am Hintern vom Dirtjumper und bekomme seine Gischt ins Gesicht. Weil ich vorne noch das große Blatt habe, überhole ich den Schuft, nur um festzustellen, dass die Gischt von meinem eigenen Vorderrad kommt, oh well.

Was gibts zusammenfassend zu sagen? Radeln im Schnee: Unbedingt! Luft raus aus den Reifen, das hilft enorm in Sachen Bodenhaftung. Nicht zu warm anziehen und sicherheitshalber für den Rückweg eine zusätzliche Schicht einpacken, das Fahren im Schnee ist harte Arbeit und man schwitzt sonst schnell. Die Bremsen, vor allem Scheibenbremsen, werden zum Musikinstrument, daran muss man sich gewöhnen. Und eine Skibrille ist keine blöde Idee, sondern eigentlich sogar sehr praktisch.

Also: Get out there!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.